Im April
"Der Leser wird durch den meisterlichen Einsatz erlebter Rede in Weltuntergangsängste hineingezogen. Christina Viragh setzt ihre erkenntnisreiche Einsicht in die Perspektivität aller Erkenntnis mit technischer Finesse um. Ihre Erzählerin verzichtete auf jede Bewertung, nur manchmal betrachtet sie die Figuren mit Ironie, spielt mit ihnen und den Zeitebenen, die sie entweder hart ananeinder schneidet oder geschickt miteinander verbindet. Die historisch exakt gezeichneten Zeiten gleiten ineinander über, werden zu einer grossen grünen Fläche mit menschlichen Spuren."
Sandra Kerschbaumer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juli
"Einmalig in der heutigen Literaturlandschaft ist Viraghs Fähigkeit des romantischen Erzählens; die Freude am Fragmentarischen, an der Arabeske, dem verschachtelten, in sich selbst verschlungenen Erzählen mit einer starken, faszinierend frei eingreifenden Erzählinstanz und den Figuren, die einer höheren Realität zu sein scheinen."
Rolf-Bernhard Essig, Literaturkritik.de, Nr.4 April 2007
"Christina Viragh entwickelt die Geschichten als übereinander geschichtetes Material. Sie erzählt das zeitlich so weit Auseinanderliegende gleichzeitig und konsequent im Präsens. Erstaunlicherweise produziert der rasant geschnittene Text eine erstaunliche Ruhe. Das hat mit der allwissenden Erzählstimme zu tun, die sich durch nichts ablenken lässt und über allem schwebt. Mit ihrer leisen Stimme und der Präzision ihrer Schilderungen gelingt es ihr, das Verborgene ans Licht zu holen: all die Geheimnisse, Mythen, Gerüchte und Ängste, die im Boden der Geschichte stecken. Es ist die Sprache selbst, in der die Geschichten Christina Viraghs überdauern, auch dann, wenn die Figuren, die sie bevölkerten, schon längst verschwunden sind."
Jörg Magenau, Süddeutsche Zeitung, 16. April 2007
"Die Sprachkraft der Autorin entzündet sich überwiegend an alltäglichen Begebenheiten und Beobachtungen, die sie mit einem romantischen Beseelungszauber unaufdringlich in eine Sphäre des Geheimnisvollen und Vieldeutigen überführt. (...) Beim Lesen entwickelt sich ein überzeitliches Kontinuum, eine die Grenzen der Alltagswahrnehmung, aber nie ins Unwahrscheinliche abdriftende Perspektivfülle. (...) Detailgenau und treffend beschreibt sie Menschen, Tiere, Pflanzen, schildert gewisse Lichtstimmungen und Gerüche. Die einzelnen Erzählfragmente fügen sich zu einem immer dichteren, deutlicheren Bild, dennoch lässt Viraghs geschickte Schnitttechnik der Phantasie soviel Raum, dass der Reiz des Geheimnisvollen gewahrt bleibt. Der Roman bannt seine Leser wie die "Matte" die Figuren in der Geschichte."
Thomas Klingebiel, Neue Westfälische Zeitung, 13./14. Januar 2007
"Das macht das Irritierende und Fasziniernde des Romans aus: Je genauer die Beobachtungen, je treffender die Beschreibungen der verschiedenen Milieus und Gestalten, desto grösser wird die Erwartung auf eine Auflösung. Doch die bleibt aus. In Viraghs Prosa liegt der Kern im Kleinen; leicht, fast heiter erzählt sie über die alltäglichen Abgründe im menschlichen Mikrokosmos."
Irene Grüter, Tages-Anzeiger, 21. November 2006
"Ein solcher Text ist in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nicht allzu häufig zu finden."
Hans-Ulrich Probst, DRS2 Reflexe, 21. November 2006
"Mit ihren überaus sinnlichen Beschreibungen gelingt es der in Budapest geborenen Schweizerin, Geschichte und Magie eines Ortes einzufangen, der alles Menschliche zu beeinflussen scheint - und überdauert."
Ewa Hess, Sonntagszeitung, 19. November 2006
"Viragh kann phantastisch Spannung aufbauen, und sie kann in einer wunderbaren Sprache erzählen."
Gabriele von Arnim, SF1 Literaturclub, 14. November 2006
"Im April wirkt unmerklich erst, doch dann mächtig bannend. (...)
Der plötzliche und häufige Wechsel zwischen den Figuren und Zeiten verwirrt produktiv, denn der Leser spürt, dass er einem Geheimnis auf der Spur ist. (...)
Sich den Ort, die Figuren, das Licht genau vorzustellen, fällt nicht schwer, denn Viraghs scheinbar einfache, schön rhythmisierte Sprache ist detailreich, sinnlich, plastisch. Ihr klug eingesetzter Kenntnisreichtum verleiht ihrer Prosa Überzeugungskraft, ob sie die Gedanken eines LKW-Fahrers beschreibt, die Nummern eines Wanderschaustellers, die Pflanzenwelt der Wiese. Besonders evident fasst sie die Gedanken der Figuren in Worte, gerade wenn sie mit Angstvisionen oder Paranoia kämpfen, wenn sie der Welt abhanden kommen oder in Wachträumen versinken."
Rolf-Bernhard Essig, Frankfurter Rundschau, 1. November 2006
"Christina Viragh mach aus Alltagsstoff mit ihrem dokumentarische anmutenden, leichten Schreibstil wunderschöne, fesselnde Literatur. Mit erstaunlicher Leichtigkeit bewegt sich die Geschichte auf vier Zeitebenen durch sechs Jahrhunderte vorwärts und zurück."
Brigitta Schmid, St. Galler Tagblatt, 30. Oktober 2006
"Im April ist ein magisches Buch. Scheinbar spielerisch schlägt es einen sinnlich erfahrbaren, poetisch tragfähigen Bogen vom frühen 15. zum frühen 21. Jahrhundert und offenbart, dass die menschliche Natur in ihrer Abgründigkeit weitaus beständiger ist als die Natur, die den Menschen umgibt. (...)
Paradoxerweise wird dieser dunkle Kosmos mit einer schwebend leichten, einmalig leuchtenden Sprache heraufbeschworen, die Raum schafft für Zärtlichkei, Witz und eine leise Zuversicht - und genaue darin liegt die Magie dieses Romans."
Patricia Klobusiczky, Schweizer Monatshefte 09/10 2006
"Es ist faszinierend zu verfolgen, wie Christina Viragh die Vergangenheit literarisch immer wieder neu befragt, wie sie sich in die Wahrnehmung - eines Geruchs, eines Bildes oder eines Klangs, eines erinnerten Satzes - versenkt und so die Erinnerungen neu erfindet."
Eva Pfister, WOZ, 26. Oktober 2006
Ein Stück wüstes Land
"Die in Rom lebende Schweizer Autorin beschreibt einen Flecken wüstes Land, eine Wiese, und deren Veränderungen im Laufe von Jahrhunderten. Sorgsam gräbt sie Erinnerungs- und Erfahrungsräume der Anwohner um. (...) Indem sie wie eine umgekehrte Archäologin vorgeht, erweitert Christina Viragh unablässig den Erzählraum. Schicht um Schicht legt sie aufeinander. (...) Ausgestattet mit ungemein hoher Aufmerksamkeit für die Aussagekraft alltäglicher Gegenstände und Redensarten, webt sie ein dichtes Netz an Bezügen. Man liest von Bau- und Abrissarbeiten rund um die Wiese, Familientragödien, Angst, Sexualität und Gewalt. Und kaum einem Glück an diesem Ort. (...) Der Roman fordert die Kombinationsfähigkeit des Lesers heraus und schärft dessen sinnliche Wahrnehmung: durch die genaue Beobachtungen der Autorin, ihre feinen, mitreißenden Naturschilderungen, die reiche, präzise Sprache. Durch ihre hochmusikalische Fähigkeit, das Erzähltempo immer wieder zu verändern, Motive episch und rhapsodisch auszubreiten, auszublenden, wieder aufzunehmen."
Carsten Hueck, Deutschlandradio, 12. Oktober 2006
"Dieses die Jahrhunderte überspannende Erzählbewusstsein verfügt über ein frappierend genaues topographisches Gedächtnis."
Christine Pitzke, ORF, ex libris, 24. September 2006
Wiederkehrendes Zwielicht
"Der fünfte Roman, Im April, der Schweizerin Christina Viragh regt dazu an, sich die Tiefe der Zeit vor Augen zu führen. Er tut dies, indem er sich auf vier Zeitebenen gleichzeitig bewegt und sie auf diese Weise in einem einzigen zeitlosen Hier und Jetzt zusammenführt. (...) Mit sehr viel Einfühlung und Empathie folgt Viragh den Figuren, in einer unaufgeregten, mitunter sehr poetischen Sprache, die direkt am Geschehen teilnimmt."
Helmut Dworschak, Der Landbote, 22. September 2006
"Im April ist Christina Viraghs bisher bestes Buch. Souverän klappt sie nach dem schnellen Anfang ihren Erzählprospekt auf, löst die einzelnen Zeitebenen auseinander und lässt ihnen zwischendurch Raum, um sich zu entfalten, bevor sie gegen Ende wieder zusammengelegt und auf ihren Kern fokussiert werden: den Blues, der unmerklich aus dem Untergrund der Matte hervorquillt."
dasKulturmagazin, September 2006
Unheimlich gärt es im Untergrund
"Das Buch hat alles, wofür Viragh gerühmt wird: präzise Sprache, geheimnisvolle Andeutungen, komplexe Struktur. Weil Im April aber anschaulicher erzählt, ist dies ihr wunderbarster Roman. Er beweist, dass sich gute Literatur nicht beim Publikum anbiedern muss, um lesbar zu werden. Diese Prosa opponiert auf wohltuende Weise den Trend zum biedermeierlichen Erzählen und bewahrt so die Raffinesse, anschaulich und anregend."
Beat Mazenauer, MZ, 24. August 2006 und Volltext, Oktober/November 2006
Vergangenes ist unverlierbar
"Christina Viragh entwickelt in diesem ihrem fünften Roman mit grosser Meisterschaft, was in allen ihren Büchern bisher ihr Schreiben bestimmt hat: die Erinnerung, wie sie die Dinge festhält und wieder freigibt; die anhaltende Gegenwart des Vergangenen, das über die Zeiten hinweg bemerkbar und bestimmend bleibt. In seinen vier Zeitschichten enthält dieser Roman eine Vielzahl von Geschichten, die von mesnchlichen Geschicken und Gefühlen, von Liebe und Hass, Verrat und Treue, Sehnsucht und Enttäuschung handeln. Die Überschneidungen von der einen in eine andere Zeitschicht zeigen durch die zeitüberspringende Allgegenwart einen Zug von feiner Ironie. Ein leicher Ton liegt über diesem Erzählen, das die Gewissheit des Unverlierbaren ebenso nährt wie die melancholisch grundierte Überzeigung, dass ein frühes Verhängnis sich unausweichlich wiederholt. (...)
Aus der Überlieferung nährt sich Christina Viraghs Schreiben - und sie reiht sich beeindruckend darin ein durch ihr Weitererzählen, das Erinnern, Beobachten und Erfinden."
Urs Bugmann, Neue Luzerner Zeitung, 28. August 2006
Im Sog der leeren Mitte
"Mit Im April, das wir als ihr bisher bestes Buch bezeichnen möchten, ist Christina Viragh fast so etwas wie ein grosser Befreiungsschlag gelungen. Waren ihre Bücher bisher erkennbar von der eigenen Lebensgeschichte geprägt, so formt sie hier mit grosser poetischer Gestaltungskraft einen aus der Imagination geschöpften erzählerischen Kosmos, der sechshundert Jahre Geschichte in einem Punkt zusammenschiessen und daraus wieder einen Strauss an Geschichten aufblühen lässt."
Roman Bucheli, NZZ, 31. August 2006
Pilatus
»'Pilatus' von Christina Viragh: Sagenhaftes Erzählen.«
Matthias Peter, Tagblatt
»'Pilatus' ist ein hochintelligentes Buch, höchst genussvoll zu lesen für den, der sich auf das Spiel einlässt und den Spuren durch den Text folgt.«
Urs Bugmann, Neue Luzerner Zeitung
»Christina Viraghs Prosa gehört zu den bedeutendsten Leistungen deutschsprachiger Literatur der Gegenwart. Sie irritiert, und das ist ihr Glanz.«
Kurt Drawert, Neue Zürcher Zeitung
»Der Roman 'Pilatus' ist ein höchst ausdifferenziertes Kunstwerk. Kein Satz, kein Wort, kein Zeichen wird hier zufällig platziert. Alles ist wohl kalkuliert, und zwar in Hinsicht darauf, Verwirrung zu stiften. (...) Ein Rätselbergwerk.«
Meike Fessmann, Süddeutsche Zeitung
